Aus dem Tagebuch von Dialog International - März - April 2004

In diesem Tagebuch wird in lockerer Folge aus der alltäglichen Arbeit von Dialog International mit den Partnern im Kongo berichtet

Das Tagebuch gibt eine persönliche Meinung wieder. auf keinen Fall die offizielle Meinung von Dialog International

Sonntag, 8. August 2004

Schon wieder eine Woche ohne Tagebucheintragungen – aber nicht ohne reichlich Arbeit. Anfang der Woche mußte für das Frauenseminar eingeladen werden. Über 400 Adressen wurden angeschrieben. Beim Verpacken der Briefe hat Paul geholfen, ein Neuntklässler, der schon bei der Solarkonferenz die Kinderbetreuung souverän gemeistert hat. Weil eine solche Versendung genutzt werden muß, haben wir auch noch „Mitteilungen“ beigefügt über die aktuellen Kongoprojekte, weil wir nämlich hier auch durchaus noch die eine oder andere Spende gebrauchen könnten. Und weil wir eigentlich viel zu wenig über die ausgezeichnete Arbeit unserer kongolesischen Partner berichten.

Donnerstag kam dann aus dem Entwicklungsministerium noch eine gute Nachtricht: Das Projekt der Wiederaufforstung in Burhinyi ist bewilligt! Jetzt können in den nächsten drei Jahren Hunderttausende von Bäumen in der Hochebene von Burhinyi gepflanzt und somit Beiträge gegen die Erosion geleistet werden. Heute wurde der Vertrag aufgesetzt, der mit unserer dortigen Partnerorganisation abgeschlossen werden muß. Wenn dieser demnächst ins Französische übersetzt ist, können ihn unsere Partner unterschreiben und erst dann läßt sich die erste Tranche des Zuschusses abrufen. Glücklicherweise läßt sich per Email auch so etwas viel schneller als früher übermitteln. Die Versendung der unterschriebenen Versionen per Post ist dann nur noch Formsache.

Über die Kindersoldatenprojekte ist indes immer noch nicht entschieden. Immerhin wurden bei der GTZ einige Weichen gestellt, z.B. eine Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau vereinbart in diesem Bereich und dann ein Schwerpunkt in der Kongo-Provinz Maniema, westlich vom Kivu. Und immerhin wurden unsere Projektanträge wenigestens noch nicht abgelehnt. In den nächsten Wochen gibt’s dazu weitere Beratungen. Die „endlose Geschichte“ (Beginn Anfang 2002) dauert also noch etwas länger. Wir müssen weiterhin Geduld haben mit der deutschen Bürokratie.

Leider sind manche „Kindersoldaten“ inzwischen erwachsen. Was sie wohl machen, etwa jene, die vor zweieinhalb Jahren bei einem Vorbereitungsseminar von Dialog International mit dabei waren (Fotos befinden sich auf dieser Website)?

Freitag, 30. Juli 2004

Durch die Urlaubszeit konnte nicht mehr regelmäßig Tagebuch geschrieben werden.

Doch vor einigen Tagen kam eine gute Nachricht von der NRW-Stiftung Umwelt und Entwicklung in Bonn: Unser Projektantrag „Afrique Voisin/Unser Afrikanischer Nachbar in NRW-Schulen“ ist bewilligt worden! Jetzt können wir das Schulprogramm, welches wir seit einigen Jahren bereits in Düsseldorf erfolgreich durchführten auf NRW-Ebene anbieten: Afrikaner im Französisch-/Englisch- und sonstigen Unterricht vermitteln Kenntnisse über unseren Nachbarkontinent. Die Ausstellungen Kin Pression I und II und die Karikaturenausstellungen können gezeigt werden und vieles mehr und dies bis Anfang 2006.

Wir beeilen uns, demnächst auf der Website Details bekannt zu geben. Wer Lehrer kennt, die an dem Programm Interesse haben könnten, möge ihnen gerne von diesem Angebot erzählen.

Übrigens beruht das Programm auf einem Beschluß einer Mitgliedsversammlung, die den Vorstand beauftragte, das Schulprogramm auf jeden Fall fortzuführen.

Voilà! Jetzt geht’s erst richtig los…

Neulich haben wir eine Kooperation mit Inwent-Düsseldorf vereinbart, die mit dem „Chat der Welten“ ein ähnliches Schulprogramm durchführen und insbesondere hinsichtlich Solarenergie mit uns kooperieren möchten. Weitere Infos auf www.learn-line.nrw.de/angebote/chatderwelten

Wissen Sie, warum die Arbeit hier auch manchmal Spaß macht?

Wir hatten ein konkretes Problem, brauchten einen kleinen Lagerraum für einen Sonnenkocher und einige weitere Gegenstände. Heute morgen gab’s einen kleinen Email-Rundbrief an viele Email-Adressen und schon kurz später kam eine Antwort und ein Mitglied von Dialog International stellt uns einen kleinen Kellerraum hier in der Nähe zur Verfügung. Ganz unkompliziert ist das Problem schon gelöst.

Freitag, 16. Juli 2004

Eine wirklich wichtige Nachricht findet sich in der täglichen Chronik von www.kongo-kinshasa.de :

Der Sicherheitsrat der UNO wird Ende dieses Monats tagen, um den Monuc-Bericht über die DRKongo zu beraten. In diesem Bericht ist die Rede von generalisierten Verletzungen des Waffenembargos für den Osten der DRKongo, das von Ruanda nicht respektiert wird. Ruanda wird weiter beschuldigt, die Truppen der aufständischen Offiziere, General Nkunda und Colonel Mutebusi, die Ende Mai/Anfang Juni die Stadt Bukavu besetzt hatten, unterstützt zu haben. Ruandische Offiziere hatten, dem Bericht zufolge, Führungspositionen bei den aufständischen Truppen. Cyangungu (ruandische Grenzstadt bei Bukavu) diente den Rebellen als logistische Basis. Die Soldaten Mutebusis, die von der kongolesischen Armee Ende Juni aus Kamanyola vertrieben wurden und nach Ruanda geflohen sind, sind immer noch bewaffnet. Ruanda wird weiter beschuldigt, Soldaten auf dem Territorium der DRKongo zu haben. Uganda wird ebenfalls in dem Bericht zitiert, insbesondere in Bezug auf einen Waffentransport innerhalb der DRKongo, den sie in Zusammenarbeit mit Vize-Präs. J.P. Bemba (MLC) am 22. Januar 2004 durchgeführt haben. Der Komponente ex-Regierung wird in dem Bericht vorgeworfen, ruandischen oppositionellen Kräften (ex-FAR, Interahamwe) Waffen zur Verfügung gestellt zu haben. (RFI-A) ----

Die letzte Abkürzung zeigt, daß die Nachricht von Radio France International stammt. Schon in früheren Tagebucheintragungen habe ich Anlaß gehabt darauf hinzuweisen, daß Ruanda endlich aufhören muß, sich in die inneren Angelegenheiten des Kongos einzumischen. Und dann kam bereits gestern noch eine wichtige Nachricht via IRIN: Die USA fördern die militärische Zusammenarbeit mit Ruanda. Dazu fällt einem dann nichts mehr ein.

Die deutsche Übersetzung dieser Meldung wird hoffentlich in den nächsten Tagen auf dieser Webseite unter den deutschen IRIN-Nachrichten zu finden sein. Leider war unserer Übersetzerin in dieser Woche aus persönlichen Gründen nicht möglich, die aktuellen Nachrichten in deutsch zu schicken, aber dies wird bald fortgesetzt.

Währenddessen treffen in Bukavu wieder Besucherdelegationen ein: Gestern kam eine von der GTZ in Eschborn und hat mit örtlichen Nichtregierungsorganisationen über Ernährungs- und Menschenrechtsprogramme beraten. Unsere Freunde hatten Gelegenheit ihr letztjähriges Projekt der Ausbildung von juristischen Beratern vorzustellen.

Und heute fand ein Ausbildungsseminar für unsere Baumschulgärtner aus Luhwindja statt. Ob sie einen Betriebsausflug nach Bukavu dazu gemacht hatten, stand nicht in der Nachricht.

Und dann fand auch noch eine große Versammlung wegen der von der UNO geplanten Friedenskonfeerenz für die Großen Seen statt. Dazu hatte Pax Christi Bukavu 20 Menschenrechtsorganisationen von Bukavu eingeladen, um über die Möglichkeit, wie man die Bevölkerung auf diese Konferenz vorbereiten kann zu beraten, trotz Widrigkeiten durch den Krieg, der kürzlich Bukavu heimgesucht hat.

Mittwoch, 14. Juli 2004

Soviel wäre noch nachzutragen! Samstag kam Valentin und hat uns einen Computer ins Büro gebracht – weil ab Montag Alexandra hier ihr Praktikum für 6 Wochen machen will und ohne Computer ist alles viel schwieriger. Valentin arbeitet in der Computerbranche und hat in seinem Keller ganz viele Computer gesammelt, um sie in den Kongo zu schicken. Er lebt seit vielen Jahren in Deutschland mit seiner Familie, doch sein Herz ist im Kongo geblieben. Und jetzt planen wir, die Computer mit unseren Nähmaschinen irgendwann demnächst nach Kinshasa zu schicken in einem Container.

Aber für unsere Praktikantin hat Valentin einen Computer abzweigen können. Welch ein Comfort! Seit Montag ist Alexandra hier und hat schon ganz viel getan. Vor allem gab sie einige Beiträge zur Ordnung im Büro, was sehr beruhigend ist. Endlich wurden einige Probleme gelöst.

Erfreulich ist, daß die Jugend von heute sich engagieren und begeistern läßt und sich einsetzt. Heute abend vertritt Alexandra Dialog International beim Düsseldorfer Eine-Welt-Forum. Natürlich sind Praktikanten immer eine Bereicherung in unserem Büro. Bisher waren letztes Jahr Elias und Magda hier gewesen und der Kontakt ist geblieben. Sie haben Dialog International nicht vergessen. Und Alexandra ist ebenso motiviert zu helfen.

Weniger erfreulich ist, daß die Ardennenfreizeit nicht gerade überfüllt ist und die zweite Jugendfreizeit mangels Teilnehmern gar ausfallen muß. Lag’s an den Terminen? Mitten in den Sommerferien solch ein Angebot zu haben ist nicht gerade die beste Zeit. Natürlich versäumen alle, die nicht mit in die Ardennen fahren ganz viel.

Ob wir im nächsten Jahr mehr Jugendliche erreichen? Mit dem Schulsolarprojekt hoffen wir das sehr. Demnächst werden zumindest in NRW sämtliche weiterführenden Schulen mit unseren Informationen versorgt.

Der Kongo selbst kommt nicht zur Ruhe. Insbesondere die Banyamulenge steuern so manche Entwicklungen und haben sich in den letzten Tagen von dem Übergangsprozeß in Kinshasa zurückgezogen. Wie ist möglich, daß eine winzige Minderheit solche gewaltigen Einfluß auf den großen Kongo nehmen kann?

Dienstag, 13. Juli 2004

Martin Zint war auf unserem Medienseminar in Dortmund und hatte dort schon berichtet, daß Edouard „sehr krank gewesen sei“. Wir hatten die Hoffnung, daß er dies überwunden hätte. Heute kommt diese Nachricht:

Edouard Baba ist am 5. Juli 2004 in Yaoundé gestorben.

Edouard Baba war früher Mitarbeiter des Ökumenischen Dienstes für den Frieden in Yaoundé, Gründer und Präsident des Service Civil pour la Paix, Yaoundé, Absolvent des Qualifizierungskurses für den Zivilen Friedensdienst, Deutschlehrer/Germanist und Angestellter des Tourismusministeriums.

Viele Gäste aus Deutschland durften Edouard als versierten Reiseführer erleben, der den Fremden seine Heimat und Kultur nahebrachte.

Viele Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen in Kamerun erlebten Edouard als Trainer für den konstruktiven Umgang mit Konflikten. Dabei

versuchte er, traditionelle afrikanische Methoden mit westlichem Know How der Konfliktbearbeitung zu verbinden.

Edouard war Anfang Mai überraschend ins Koma gefallen. Nach einem vierwöchigen Krankenhausaufenthalt ging es ihm im Juni wieder etwas besser. Um so schockierender kam jetzt die Nachricht von seinem Tod.

Edouard wurde am 10.7.04 in seinem Heimatort Bertoua im Osten Kameruns beerdigt.

Edouard Baba hinterläßt Florence und Arthur, seine Frau und seinen Sohn.

Der Verlust des Vaters und Mannes läßt sich für Aussenstehende kaum ermessen. Auf jeden Fall bedeutet sein Tod für die beiden auch ein wirtschaftliches Problem. Ich will seiner Familie deshalb einen Geldbetrag überweisen. Wer Edouard kannte und sich dieser Geste anschließen möchte, kann einen Betrag auf mein Konto 560740 bei der Sparkasse Darmstadt, BLZ 50850150, überweisen. Ich leite das Geld dann in einer Summe weiter.

Mit Edouard verliere ich einen wichtigen Kollegen und guten Freund, wir hatten noch viele gemeinsame Pläne.

In Trauer

Martin Zint

Edouard hatte Germanistik studiert, war in den letzten Jahren öfters in Deutschland, hatte in Walberberg den Kurs zum Zivilen Friedensdienst mitgemacht, und jedesmal, wenn er in Deutschland war, kam er auch im Büro von Dialog International vorbei. Auch wir hatten viele Pläne. Edouard, der als Kameruner französisch und englisch sprach, wäre bereit gewesen, im Ostkongo Zivilen Friedensdienst zu tun. Wir hatten ein Projekt geplant. Dann kam die Schwierigkeit auf, daß ja nur Deutsche oder EU-Bürger finanziert würden. Jedenfalls kam das Projekt zu seiner Enttäuschung nicht voran. Zwischendurch konnte er für EIRENE-Friedensdienste arbeiten. Und für das Tschad-Kamerun-Projekt von Martin Zint gegen die Auswirkungen der Pipeline durch den Regenwald..

Edouard war gerne in Düsseldorf. Wir haben in Oberkassel Eis geschleckt, sind über die Kö gelaufen und haben (Blut?)Diamanten in den Auslagen der Geschäfte für Zehntausende von Euros entsetzt betrachtet. In der Altstadt war ein Jazz-Festival und Edouard war begeistert. Für mich war alles zu laut. Ich wartete am Rande und Edouard kam und kam nicht. Und dann kam er – ganz glücklich. Er liebte Jazz. Edouard war Pazifist. Und Afrikaner. Er war mehrmals auf den Jahrestagungen des Versöhnungsbundes. Und als ich ihn dort kennenlernte, vor vielen Jahren, bei einer der Mahlzeiten, hatte er Probleme mit dem europäischen Essen. Vielleicht war dies auch Heimweh. An Salat und Wurst und Brot konnte er sich nicht gewöhnen. Hier in Düsseldorf bekam er Fufu, Gemüse und Fisch.

Noch im Januar schrieb er, daß er bald wieder nach Deutschland kommen könne und dann natürlich auch wieder in Düsseldorf vorbeikommen wolle. Dann kam keine weitere Nachricht. Edouard war nicht nach Deutschland gekommen. Und jetzt diese Nachricht.

Während einer seiner Deutschlandaufenthalte war vor wenigen Jahren seine Mutter gestorben. Wir waren alle froh, daß er danach heiratete und eine Familie gründete. Edouard wird allen, die ihn kannten, sehr fehlen.

Heute ist ein Tag der Trauer.

Dienstag, 6. Juli 2004

Die Tagebuchseiten bleiben manchmal nicht deshalb weiß, weil es nichts zu berichten gäbe, sondern weil solch eine Fülle Aufgaben zu erledigen ist, daß die Zeit nicht reicht dies auch noch mitzuteilen.

Dies war in der letzten Woche der Fall. Das heißt genau gesagt, geschehen ist eigentlich nicht viel, aber einige wichtige administrative Aufgaben wurden erledigt. Da ist vor allem das Hilfsprojekt für inzwischen 350 geplünderte, geschändete und zum Teil vergewaltigte Frauen in Ciherano im Kivu, welches Dringlichkeitsstufe 1 bekommen hatte. Morgen geht der Antrag ins BMZ, nachdem alle Abklärungen und Vorbereitungen abgeschlossen sind. Ende letzten Jahres kamen aus diesem Ort, etwa 60 km südwestlich von Bukavu erschütternde Nachrichten: Unterschiedliche Milizen hatten übel gehaust und „sich wohl sein lassen“, wie im Antrag stand. Man bediente sich der Frauen wie es einem beliebte, plünderte ihre Wohnungen, raubte sie aus und am Ende wurden sie noch vergewaltigt. Der ganze Kivu blickte entsetzt nach Ciherano, als diese Geschichten bekannt wurden – dabei war in den letzten fünf Kriegsjahren beileibe kein Mangel an derartigen Schreckensnachrichten.

Wir möchten dafür sorgen, daß diese Frauen erst einmal ärztlich untersucht werden und dann sollen sie, wenn sie dies wünschen, wieder einen eigenen Hausstand gründen können. Wir denken, daß sie wieder Aufgaben bekommen müssen, Garten- und Feldarbeiten, Tierzucht, und damit ein kleines Einkommen, mit dem sie z.B. das Schulgeld für die Kinder bezahlen können. Dann sollen sie eine Kiste mit Hausrat bekommen und Gartengerät, Samen und Tiere als „rotierenden Kredit“. Das hat den Vorteil, daß nach der Ernte oder dem Wurf der Tiere zurückgezahlt werden kann und andere Frauen ebenfalls von dem System profitieren. Und in diesem Fall gibt es noch einen doppelten Vorteil: Die Frauen müssen sich in Bezugsgruppen organisieren und dies sind die Gruppen, die sich auch gegenseitig Mut zusprechen, die ihre Sorgen und Erlebnisse gemeinsam verarbeiten und gleichzeitig unterstützt werden bei Traumaarbeit. Dafür sollen einige Spezialistinnen mithelfen und dies fördern. Die Therapie soll also materielle, psychische und medizinische Hilfen anbieten, mit dem der Heilungsprozeß für diese Frauen begleitet wird.

Die wichtigste Änderung bekam das Projekt durch den jüngsten Krieg in Bukavu: Der Betrag wurde aufgestockt, damit nochmal 90 Frauen, die ganz frisch geplündert und geschändet worden waren, in das Programm aufgenommen werden können. Mehrere Gruppen von uns waren betroffen gewesen. Im Tagebuch vom 20. Juni haben wir etwas davon berichtet.

Jetzt warten wir auf das Entwicklungshilfeministerium, denn ohne einen Zuschuß kämen wir nicht weit. Wenn alles gut geht, kann Anfang September begonnen werden…

Auch das Kwangoprojekt mußte auf Wunsch des BMZ nochmal überarbeitet werden,. Jetzt läuft das Projekt nur etwas über ein Jahr und bildet nur halb soviel Leute aus wie ursprünglich geplant. Dafür ist alles ein „Pilotprojekt“ – das heißt, wenn dies zufriedenstellende Ergebnisse bringt, dann haben wir gute Chancen dort und in anderen Regionen des Kongos ähnliche Programme durchzuführen und diese gefördert zu bekommen. Am wichtigsten ist, daß wir uns auf das wesentlichste konzentrieren sollen – und dies ist die alternative, traditionelle Medizin, die mit dem Projekt gefördert wird. Also, die Dorfhelfer, die sich im nächsten Jahr „Dorfgesundheitshelfer“ nennen dürfen, bekommen in der Ausbildung wichtige Grundlagen der Naturheilkunde beigebracht, indem sie Anwendungen der Heilkräuter studieren und lernen, diese herzustellen. Daneben lernen sie Sonnenkocher zu bauen und für die Trocknung der Heilpflanzen und natürlich zum Kochen zu benutzen.

Und jetzt ist die Idee im Raum, auch für Kinshasa ein ähnliches Projekt auf den Weg zu bringen. Kinshasa als Millionenstadt hat natürlich ganz andere Bedürfnisse als die Menschen im ländlichen Raum. Die Krankheiten, die mit Kräutern behandelt werden können, sind aber die gleichen. Die Frage ist nur, wann bekommen wir dies finanziert? Selbst wenn wir Chancen auf Zuschüsse hätten – die können wir nur beantragen, wenn wir genügend Eigenmittel, sprich Spenden zusammenbekommen…

Im Frühjahr hatten wir mal gedacht, wir könnten auch Bußgelder bei Gerichten beantragen – und dann hörten wir, daß allein in Düsseldorf über 600 Organisationen auf den Listen stehen. Die armen Richter, die vielleicht Bußgelder verhängen, haben also bei der Auswahl der gemeinnützigen Organisationen die Qual der Wahl, wenn sie überhaupt wählen. Und die meisten von uns kennen keinen Richter – woher auch? Wir gehen ja nicht in den Gerichten ein und aus.

Somit sind die Chancen minimal, daß sich jemand an uns erinnert beim Verteilen von Bußgeld.

Und somit müssen wir weiterhin von der Hand in den Mund leben und von Monat zu Monat hoffen, daß das Geld für die Finanzierung der Projekte im Kongo ausreicht.

Übrigens hat sich vor einigen Tagen wieder einmal eine Praktikantin hier beworben, die den Sommer über für Dialog International arbeiten möchte. Ein erfreuliches Ansinnen! Und zufällig rief ein kongolesischer Freund an, der mit dem Container, den wir demnächst nach Kinshasa schicken wollen (mit Nähmaschinen) auch eine Sammlung von Computern darein packen will und jetzt will er einen davon zunächst für unser Büro stiften.

Und dann tut sich jetzt hoffentlich auch etwas mit den Kindersoldatenprojekten. Die GTZ wollte ursprünglich in diesen Tagen eine Delegation in den Kivu schicken zur Prüfung der Projektgruppen und –anträge. Jetzt findet alles in Kinshasa statt und einige Leute aus dem Kivu sollen in die Hauptstadt kommen. Zumindest unsere Projektvorschläge – dies sind inzwischen zwei – sind in der engeren Auswahl. Wir haben zwar noch keine Garantie, daß sie akzeptiert werden, dürfen aber hoffen. Das erste Projekt, das schon seit langem vorbereitet ist, will 300 Kindersoldaten rehabilitieren, ihnen eine schulische, handwerkliche oder landwirtschaftliche Ausbildung geben und eine Nachbetreuung organisieren. Außerdem sollen sie einerseits Traumaarbeit machen können, andererseits Wiedergutmachung leisten für einige ihrer Untaten.

Das zweite Projekt soll mit ehemaligen Kindersoldaten in einer Art Arbeitsbeschaffung (und Wiedergutmachung) Schulen und Straßen reparieren, sodaß die Bevölkerung sieht, daß diese ehemaligen Kindersoldaten ihren guten Willen zeigen.

Inzwischen ist aus Uvira ein dritter Projektantrag gekommen von unseren dortigen Partnern, die unser Rückkehrprogramm für 200 Bauernfamilien organisieren. Das Programm wird immer wieder von Kindersoldaten gestört. Deshalb die Idee, sie in ein Rehabilitationsprogramm aufzunehmen. Und weil die GTZ von sich aus gerne auch im Raum Uvira ein Projekt durchführen möchte, bin ich mal ganz gespannt, ob dies Projekt auch noch in die Wahl aufgenommen wird.

Auf alle Fälle sind dies ganz wichtige Vorhaben, die endlich auf den Weg gebracht werden müssen. Die GTZ hat den Auftrag, relativ kurzfristig Entscheidungen herbeizuführen, damit endlich mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann.

Sonntag, 27. Juni 2004

Inzwischen hatten wir das Seminar „Medien und Afrika“ in Dortmund. Dortmund ist übertrieben. Die einfachste Anreise ging über Schwerte-Westhofen (überregional bekannt durch das dortige Autobahnkreuz) und eigentlich liegt alles viel näher bei Hagen als bei Dortmund – aber wie auch immer das Ruhrgebiet seine geographischen Geheimnisse bewahrt: Das Haus lag landschaftlich durchaus schön, war aber doch zu umständlich zu erreichen – ein Problem, weil die Teilnehmerzahl nicht überwältigend groß war. Trotzdem: Wir waren im Schnitt 15-16 Teilnehmer und die meisten davon vom Fach, also irgendwie journalistisch tätig. Natürlich waren die Beiträge des Profis Hans Anton Papendieck von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der ganz viel aus dem „Nähkästchen“ des journalistischen Alltags plauderte, ungemein wichtig, doch ebenso jene von Ahmed Yahaya von der Deutschen Welle, weil dort außergewöhnlich viele Informationen zusammenkommen, jedoch wegen der ausgesprochen unglücklichen und isolierten Situation der Deutschen Welle nicht in den übrigen Medienbereich in Deutschland gelangen. Dies ist bei der BBC in England komplett anders, wo die Funktion der „Deutschen Welle“ in den nationalen Rundfunk integriert ist. Das deutsche System kommt einem fremd und töricht vor.

Die beiden Wissenschaftler, Dr.Olaf Krems und Marc Olschewski trugen sehr unterschiedliche Einsichten vor. Dr.Krems hatte das Afrikabild in dem letzten halben Jahrtausend untersucht und war zu ganz erschütternden Einsichten gelangt. Sein Beitrag wird demnächst auf dieser Website zu finden sein. Jedenfalls hatten die anwesenden Afrikaner zunächst Probleme, ihre Komplexe zu verarbeiten, wenn ihre Vorfahren in Europa als „schwarze Teufel“ identifiziert wurden oder gerade die Autoren der modernen Menschenrechte durchaus gestörte Beziehungen zu den Informationen aus Afrika hatten. All dies hat ein Afrikabild sehr tief geprägt, das bis heute als Ursache für das Desinteresse an dem Nachbarkontinent identifiziert werden kann. Marc Olschweski fragte dann konkret in zahlreichen deutschen Redaktionen nach, wie es um die Afrikaberichterstattung steht und kam zum Schluß, daß Afrika eher marginale Bedeutung hat. Hauptaufgabe scheint die Korrektur des Afrikabildes zu sein, was einfacher gelingt, wenn es wirklich eine deutsche Afrikapolitik gäbe. Stattdessen scheint „Europa“ auf allen Ebenen zu dominieren.

Dialog International ist mit diesem Seminar gelungen, Menschen aus sehr unterschiedlichen Zusammenhängen zusammenzubringen. Entsprechend lebhaft war die Phase der Absprachen, welche die Teilnehmer untereinander getroffen haben. Vielleicht ist das die Hauptfunktion solcher Begegnungen? Die Medien haben einen beträchtlichen Einfluß und deshalb sind natürlich solche Fragen von Bedeutung, die untersuchen, wo die Hindernisse z.B. für die Afrikaberichterstattung in den Medien liegen.

Tief im Wald in Dortmund – bei diesem Haus muß man das so sagen – hat sich ein äußerst spannender Prozeß fortgesetzt, der im vorigen Jahr in einer Jugendherberge in Köln begonnen hatte. Und ohne Zweifel läßt sich sagen, daß alle, die nicht dabei gewesen sind, etwas versäumt haben. Natürlich versäumen wir dauernd etwas. Wir können nicht überall dabei sein. Und doch können wir Prioritäten setzen. Gilbert Yimbou, der einzige Afrikaner im Stadtrat von Düsseldorf, hatte diese Priorität gesehen und war nach Dortmund gekommen. Ebenso Richard, der in Münster Lokalradio macht, Etienne, der in Bochum bei einer Lokalzeitung mitarbeitet, Veye Tatah natürlich mit einigen Freunden, die in Dortmund das Magazin AFRICA POSITIVE herausgeben. Veye Tatah war gekommen, obwohl der Redaktionsschluß der aktuellen Ausgaben gleichzeitig war. Den letzten Schliff bekam AFRICA POSITIVE während der Tagung per Laptop und in der Nacht ging das Blatt, welches in vielen Bahnhofsbuchhandlungen in Deutschland erhältlich ist, noch zum Drucker.

Die Vorbereitung dieses Seminars war äußerst mühsam gewesen, weil viele Redaktionen nicht gerade begeistert waren, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Es gab zahlreiche Zusagen und Absagen – bis zuletzt. Die lokale Westfälische Rundschau hatte zunächst zugesagt und zwei Tage zuvor abgesagt, so als hätte man zu spät von dem Seminar erfahren. Die Einladung erfolgte bereits Ende April. Afrika ist eben kein Thema in Redaktionen und dann noch einen Redakteur am Wochenende zu einem Seminar zu bewegen, wie kann man auf solche abwegigen Ideen gelangen?

Doch diese Woche hatte noch eine andere Premiere: In unserem Schulsolarprojekt konnte Joel an einer Projektwoche zum Thema „Solarenergie und Afrika“ mitwirken. Was Joel erlebt hat:

Am Dienstag (10.00 - 14.00) kam ich in die Schule. Die erste Stunde war fürs Kennenlernen und Fragen zu Afrika an mich vorgesehen. Folgende Fragen u.a. wurden gestellt:

Wo liegt Afrika? Bei Italien unten drunter.
Wo liegt Ruanda? Wo liegt Ghana? Wie groß ist Ruanda? (Wie breit ist Ghana?)
Gibt es Autos in Ruanda? Gibt es Straßen in Ruanda?
Wie viel verdient man in Ruanda?
Wie kocht man in Afrika?

Anschließend fragte ich den Schülern zurück: Was wißt Ihr von Afrika?
Nicht viel. Eine anscheinend einhellige Antwort lautete:
Dass die Menschen sehr arm sind.

Dann sollte es zum Thema "Solarenergie kommen". Da die Sonne mit Wolken bedeckt war, hatte ich mit der Lehrerin einen alternativen Plan entwickelt. Ich wollte traditionelles Kochen in Afrika vorführen, dabei auf Probleme hinweisen (Gesundheitsrisiko, Abholzung, Wüstenbildung, Erosion und damit ökologische/klimatische Probleme). Dann Ersatz der Holznutzung durch Sonnenenergie als gesundheits- und umweltschonende Energie.

Also wurde eine traditionelle Feuerstelle eingerichtet (drei Steine). Während eine Gruppe Feuer machte, bereitete die zweite Jamswurzeln aus Ghana und eine dritte holte Wasser im Topf. Die Schüler sammelten sich dann ums Feuer und beobachteten mit Spannung wie die Jamswurzeln und Bohnen kochten. Nach dem Kochen aßen alle Schüler mit Begeisterung. Nur ein kleines Problem gab es beim Essen mit den Fingern.

Bei der Abschlußbesprechung gaben sich alle Teilnehmer zufrieden. Da Holzfeuer viel Spass gemacht hatte, entschieden sich die Schüler, am nächsten Tag Marmelade mit Holz statt mit SK 14 (Sonnenkocher) zu kochen, falls das Wetter schlecht sein sollte.

Auf dem Weg nach Hause gab ich den Schülern eine Hausaufgabe mit. Sie sollten ihren Eltern folgende Fragen stellen:

Was ist Sonnenenergie
Was halten sie davon

Am Mittwoch fing der Projekttag mit einem 15-minütigen Vortrag der Antworten von den Eltern:

Sonnenenergie sei jene Energie, die durch Sonnenstrahlen gewonnen wird.
Sonnenenergie sei nützlich, umweltschonend, zukunftsweisend aber teuer und wetterbedingt.

Wie befürchtet gab es keine Sonne. Also die Schüler kochten Marmelade mit Holz. Gegen 12 Uhr stellte Udo Fredmüller die SK 10 und 14 in die schwache Sonne auf. Leider ohne Effekt. Anschließend reflektierten wir bei der Abschlußbesprechung über die Vor- und Nachteile der Sonnenenergie.

Am Donnerstag ging es um viele unterschiedliche Tätigkeiten: Werbeplakat und Etiketten für Marmelade malen, den SK 14 zeichnen und erklären, Preisschilder machen, Ausstellung "Sonnenenergie für Afrika" aufhängen, Dekostoff für Marmeladendosen zurecht schneiden und anbringen, Projektbericht schreiben, Präsentationsraum aufräumen und Abschlußbewertung, wobei jeder Schüler sagen sollte, was er bei diesen Projekttagen erlebt hat. Einige der Aussagen lauteten:

Kochen mit Holz hat mir viel Spass gemacht. Es war interessant, viel über Afrika zu erfahren. Mir hat die Arbeit in den Gruppe viel Spass gemacht. Das Projekt war interessant, weil wir alles selbst entscheiden könnten. Dass die Sonne nicht schien war sehr schade.

Die Lehrerin war mit der Atmosphäre sehr zufrieden. Die Schüler waren sehr interessiert. Während der ganzen 3 Tagen gab es kaum Verspätung, keine Abwesenheit und keinen Streit. Alle waren immer beschäftigt und sehr tüchtig.

Für unser Projekt habe ich eine neue Erkenntnis gewonnen: Projekttage haben nichts mit dem normalen Schulalltag zu tun. Schüler und Lehrer möchten praktische Sachen machen und keine Theorien. Bei unserer Planung sollen weniger wissenschaftliche Lehrmaterialien sondern praktische ("Afrika")Erlebnisse in den Vordergrund gestellt werden: Kochen, Malen, Video, Musikworkshop, etc.

Fürs Erste, demnächst kommt der Bericht von den Schülern selbst!

Dienstag, 22. Juni 2004

„Schulen entdecken Solarenergie – für eine neue Partnerschaft mit Afrika“ – so heißt unser neues Schul-Solar-Projekt und heute war Joel in einer Düsseldorfer Schule anläßlich einer Projektwoche. Und was hat er getan? Holz mitgebracht und eine Feuerstelle eingerichtet und dann wurde afrikanisch gekocht – und natürlich afrikanisch gegessen, mit den Fingern, die vorher gründlich gereinigt wurden. Die Schüler fanden das Essen mit den Fingern gar nicht so einfach – ob Stäbchenessen in Japan einfacher ist?

Nebenbei hatte Joel Gelegenheit jede Menge Information über Leben in Afrika loszuwerden und weil das Projekt eine ganze Woche dauert, wird er auch morgen und in den nächsten Tagen mit dabei sein. Übrigens soll auch ein Solarkocher gebaut werden, obwohl das Wetter derzeit hierzulande leider nicht zum Sonnenkochen einlädt. Solarenergie ist wirklich für Afrika besser geeignet. Nächste Woche ist übrigens eine Schule in Siegburg Gastgeber und wird nebenbei auch unsere Solarausstellung zeigen. Weitere Informationen zu diesem Schulprogramm finden sich übrigens auf der Website www.solarenergie-fuer-afrika.de .

Aus Bukavu kommen derzeit keine Nachrichten. Wenn die materielle Not so groß ist wie berichtet, werden die Freunde dort große Sorgen haben etwas zu Essen zu finden. Auf unseren gestrigen Appell kam bisher gerade mal eine einzige Reaktion…

Dafür kam heute aus Uvira am Tanganjikasee eine Email und brachte einen weiteren neuen Projektantrag für ein Kindersoldatenprojekt. Wir wußten, daß die Partner dort einige Probleme mit Kindersoldaten haben, die mit ihren Knarren zwischen dem Projekt hin- und her laufen und die am besten in das Projekt integriert werden müßten, mit einer ordentlichen Entwaffnung und Ausbildung. Ein solcher Vorschlag liegt nun vor. 200 Kindersoldaten sollen in das Projekt aufgenommen werden. Die große Frage ist nur, wer finanziert das? Wir haben inzwischen bereits zwei Projekte auf dem (Planungs-)Weg, die hoffentlich bald akzeptiert werden. Und jetzt kommt dieses dritte Projekt. Die Freunde in Uvira bekamen sofort eine erste Rückmeldung, nämlich eine Empfangsbestätigung und die Information, daß wir noch gar nichts dazu sagen können, ob wir eine Lösung finden. In Uvira scheint derzeit Ruhe zu herrschen, der Freund war jedenfalls ganz zuversichtlich.

Der kongolesische Staat hat inzwischen reichlich Soldaten in den Kivu verfrachtet und Ruanda schreit wie am Spiess, daß damit neuer Krieg drohe. Natürlich ist jeder Soldat ein Soldat zu viel. Aber kann nicht der Kongo in dem großen Land die Soldaten dahin stellen wo die Regierung dies wünscht – wie jedes andere Land auch? Und im Kivu war immerhin in den letzten Wochen Anlaß für die Aufstellung von Soldaten. Die letzten Rebellen haben heute die Stadt Kamanyola verlassen und sind nach Ruanda geflüchtet. Und der sogenannte General Nkunda, der neulich Bukavu erobert hatte, sitzt inzwischen in Uganda und klagt Museveni sein Leid. Immerhin hat die UNO-Truppe MONUC in den letzten Tagen einige deutliche Worte gesprochen – nämlich, daß keinerlei Beweise für Massaker an Banyamulenge im Kivu vorlägen und daß die Hauptschäden durch Plünderung, Vergewaltigungen und Morde von den Truppen dieses Rebellengenerals Nkunda geschehen seien.

Ruanda hat übrigens die Aktionen dieser Milizenführer ausdrücklich gebilligt und zumindest der Kollege Mutebusi ist ja nun inzwischen anerkannter Flüchtling bei Cyangugu. Hinsichtlich der Banyamulenge im Kongo sind sicherlich einige Klarstellungen und vielleicht seitens der Kongolesen endlich die Klärung der Staatsbürgerschaft nötig. Und die Angst Ruandas vor den 1994 in den Kongo geflüchteten Hutu-Milizen kommt immer wieder neu hoch und muß ernst genommen werden. Man wundert sich nur, daß während der langen Besetzung des Kongos durch die östlichen Nachbarn das Problem überhaupt nicht angegangen oder gar gelöst worden ist.

Montag, 21. Juni 2004

Wir haben heute früh wegen der Notlage im Kivu folgenden Appell an zahlreiche im Ostkongo tätige Organisationen verschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir hatten gestern ein Treffen mit belgischen und afrikanischen Freunden mit ganz aktuellen Berichten aus dem Südkivu. Von den Plünderungen in den letzten Wochen  ist kaum eine Gruppe  verschont geblieben. Erschütternde Berichte über Vergewaltigungen, Morde und wie den Ärmsten auch das letzte noch gestohlen worden ist, liegen uns vor.

Zur Zeit das schlimmste Problem: die Menschen in der Region um Bukavu hungern.

Das wenige, was noch auf den Märkten angeboten wird, ist extrem teuer geworden.

Die Vorräte in den Häusern wurden während der Kriegstage aufgebraucht, als niemand die Häuser verlassen konnte.

Wir sind der Überzeugung, daß kurzfristig am dringlichsten schlicht Nahrungsverteilung ist, Suppenküchen, eine Art "Quäkerspeise".

Alleine können wir nur wenig ausrichten. Wir empfehlen folgendes:

Annette Weber von der Berliner Lobbystelle bitten wir, innerhalb des Ökumenischen Netzes eine Umfrage durchzuführen mit dem Ziel, zu einer aktuellen Bestandsaufnahme über Planungen und Vorhaben in den Werken beizutragen.

Wir wüßten gerne, wer akute Katastrophenhilfe plant/planen kann.

Einige Werke haben im Bereich Katastrophenhilfe Know-How und Zugang zur nötigen Logistik.

Wir und andere haben die "community based contacts".

Ließe sich zusammen ein Programm aufstellen?

Auf der politischen Ebene haben wir u.a. andiskutiert: Die jüngsten Vorgänge hätten ohne Billigung oder aktive Unterstützung Ruandas nicht möglich sein können. Ein großer Teil des Staatshaushaltes von Ruanda ist (auch mit deutscher) Entwicklungshilfe finanziert - viel fließt in den Militärhaushalt. Gleichzeitig werden Projekte im Kivu zerstört, die auch mit deutscher Entwicklungshilfe gefördert worden sind. Läßt sich dies in die politische Diskussion einbringen? Müßte der politische Druck auf Ruanda verstärkt werden?

Mit freundlichen Grüßen

Annette Weber vom Ökumenischen Netz hat bereits zugesagt, daß sie die angeregte Umfrage durchführen und Ergebnisse bereits heute nachmittag beim einem Gespräch im BMZ beraten will.

Das Problem besteht inzwischen darin, daß die wenigsten Organisationen überhaupt noch tätig sein können, der Kontakt zu den Partnern scheint zunehmend abzureißen, die Regierung entsendet sehr viele Soldaten an die Grenzen. Empfehlenswert ist sicherlich, wenn jeder, dem dies möglich ist, an das Auswärtige Amt schreibt und um diplomatische Intervention bittet. Deutschland ist ja immerhin noch im Sicherheitsrat und könnte dort eigentlich auch tätig werden…

Sonntag, 20. Juni 2004

Heute waren wir bei dem mehrmals jährlich stattfindenden Treffen mit den Belgiern und TWESE HAMWE in Mönchengladbach. Emeritha Karamira, die Witwe eines 1973 in Ruanda dermordeten Außenministers, setzt sich seit 10 Jahren für die Versöhung von Hutus und Tutsis ein und arbeitet zu diesem Zweck auch in Ostkongo mit Gruppen, deren Mitglieder unterschiedlichen Ethnien angehören. Sie war vor ungefähr 10 Tagen aus Ruanda und Ostkongo zurückgekehrt, wo sie im letzten Vierteljahr gelebt und mit zahlreichen Gruppen, gearbeitet hat. Zum Beispiel hat sie im April in Bukavu ein Friedens- und Versöhnungsseminar mit zahlreichen Vertretern von lokalen Gruppen durchgeführt, von welchem unseren dortige Partner seinerzeit begeistert schrieben. Zu den Ergebnissen des Seminars später mehr.

Am wichtigsten waren jedoch die dramatischen Berichte aus der Region, die inzwischen rundrum abgeschnitten ist, sodaß kaum Lebensmittel nach Bukavu und in die Dörfer kommen. Die Menschen hungern! Wir haben überlegt, daß jetzt eigentlich vordringlich die Hilfsorganisationen Suppenküchen und ähnliches organisieren müßten.

Dann kommen jetzt immer mehr Berichte über verheerende Plünderungen. Hier einige Beispiele: Von der Gruppe BARAKA in Mugogo und Walungu wurden 16 Familien geplündert: 7 Ziegen, 4 Schweine, 8 Kaninchen…. und die gesamten Rücklagen von 201 Dollar. In Bukavu wurden 8 Familien auf dem großen Markt geplündert, dann wurden ihre Marktstände angezündet. 16 Familien wurden zuhause geplündert von aufrüherischen Soldaten. Von der Gruppe IMARA wurden 13 Frauen und Mädchen vergewaltigt, davon war eine Frau schwanger. 8 Familien wurden ebenfalls alle Ziegen, Schweine und Hühner gestohlen und 230 Dollar Rücklagen. In der Gegend von Walungu wurden 9 Familien von Waisen geplündert und 4 Waisenmädchen wurden vergewaltigt, wovon eins gestorben ist. In dem Ort Mumosho wurden 4 arme Landfrauen ihres gesamten Besitzes beraubt: 2 Ziegen, 7 Hühner, 7 Kaninchen, 6 Meerschweinchen und ihrer Rücklage von 82 Dollar. Die Gruppe UMOJA, die sich bereits um über 260 geschändete Frauen kümmern muß – wir haben ein Projekt in Vorbereitung, ihnen zu helfen – hat jetzt weitere 6 vergewaltigte Frauen zu betreuen und 11 weitere Frauen wurden geplündert… So geht es weiter mit Einzelberichten….

Für unsere Vorstellungen sind all dies relativ „kleine“ Fälle. Für die Betroffenen ist jedoch die gesamte Existenz vernichtet. Die Partner fragen vorsichtig an, ob aus Deutschland geholfen werden kann, damit die Betroffenen wenigstens die verlorenen Güter erstattet bekommen können. Die Partner schreiben: „Es ist ein zahlloser Bedarf an Verpflegung, Medikamenten, Küchengeräten. Von großer Dringlichkeit ist Hilfe für die medizinische Versorgung für die Opfer von Vergewaltigung.

Projekte zur Verstärkung oder Wiederherstellung kleiner ökonomischer Unternehmungen mit geringem Gewinn sind notwendig und sehr aktuell. Wir hoffen auf die Solidarität von Menschen guten Willens für eine dringliche Hilfe in allen Formen, besonders zugunsten der am meisten Schutzlosen (Frauen, Kinder, Opfer von Vergewaltigung, Obdachlose, Verletzte und Kranke…)

Wir zählen auf Ihre Lobby-Aktionen zu einem unverzüglichen Stop der Kämpfe im Süd-Kivu und zur Errichtung eines dauerhaften Friedens in der Demokratischen Republik Kongo. Wir bedanken uns im voraus für alles, was Sie für den Frieden und das Wohlergehen unserer Bevölkerung tun und bitten, daß Gott Sie alle segne.

Doch nun zu den Ergebnissen des Seminars mit Emeritha vom 13. und 14. April in Bukavu:

Unter anderem wurden in Gruppen folgende Fragen bearbeitet:

1. Was sind die gewöhnlichen Gründe für Konflikte in unseren Gemeinden im Kongo?

2. Wie war jeder von uns persönlich Opfer von aktuellen Konflikten von 1996 bis heute? …

Hier die Antworten: Die Ursachen der Konflikte: Mehrere Gründe von Konflikten wurden aufgezählt, wie: der Kampf um die Macht, schlechtes Regierungsverhalten, Unwissenheit und Fehlinformation, Manipulationen, Habgier, Eifersucht, Egoismus, Korruption, Regionalismus, Ethnizismus und Tribalismus, Mangel an Liebe, Ungerechtigkeiten, aber immer und immer wieder Elend und Armut der Bevölkerung.

Wie wurde jeder persönlich Opfer der aktuellen Konflikte: Jeder kannte mehrere Arten, Opfer zu sein, direkt oder indirekt: durch Plünderungen, Massaker, Morde, Gewaltanwendungt, Vergewaltigungen, Umsiedlungen der Bevölkerung, Aufnahme von Umgesiedeten, Trennung von Familienmitgliedern, Platznot, Verbreitung von Krankheiten und schließlich Elend und Armut.

Die Teilnehmer haben folgende Empfehlungen ausgearbeitet:

1. Dauerhafte Projekte einrichten zum Kampf gegen die Armut der Bevölkerung, die unter den mörderischen Kriegen leidet.

2. Mechanismen in den Blick nehmen, mit denen der Kampf gegen Straflosigkeit auf nationalem und internationalem Niveau geführt wird, mit dem Ziel, ein internationales Straftribunal für die Demokratische Republik Kongo einzurichten, im Hinblick auf Verbrechen und andere Ausschreitungen, die während der Kriegen begangen wurden.

3. Die UNO und die internationale Gemeinschaft sollen sich engagieren und die Rückführung der Interahamwe und anderer negativen ausländischen Kräfte (FNL, FDD, ALIR, FDLR…) in ihre Ursprungsländer betreiben.

4. Jede Partei, die Vereinbarungen und Resolutionen in der Dem.Rep.Kongo getroffen hat, soll sie respektieren und genauestens für ihre Respektierung eintreten.

5. Die Menschenrechte sollen respektiert werden überall und von allen in der Dem. Rep. Kongo und exemplarische Sanktionen sollen bei jeder Zuwiderhandlung verhängt werden.

6. Die Unversehrtheit und die moralische und materielle Wiederherstellungt für die Opfer von Vergewaltigung, Gewaltanwendung, Plünderung, Krankheiten (AIDS und andere) und anderen Ausschreitungen sollen Voraussetzungen für jede gute Versöhnung sein.“

Dies sind sehr wichtige Überlegungen, die auch für die neue Situation ihre volle Gültigkeit behalten haben. Die Frage, was dies für uns bedeutet, werden wir in der nächsten Zeit zu beantworten haben…

Samstag, 19. Juni 2004

Unser Mitglied Jimmy hat uns seine Gedanken zu der aktuellen Lage im Kongo mitgeteilt aus der Perspektive seiner Partei UDPS, die vielleicht hier einmal eine andere Perspektive hinzufügen:

„Nachdem ich in meinem Interview bei RFI zur Lage in Bukavu und zur jüngsten Reise vom belgischen Außenminister Louis Michel in Zentralafrika Position bezogen habe, werde ich nun ein Papier für unsere deutschen Freunde schreiben. Es kommt rechtzeitig zum 44. Unabhängigkeitstag Kongos am 30.6.04

Von Paul aus Berlin und viele andere Kongolesen habe ich erfahren, dass Sie sehr froh über meine Intervention für die Millionen Zuhörerinnen der weltweiten Radio RFI sind. Mein Bruder aus Kinshasa rief mich sogar am selben Tag an. Die ganze Familie in der Heimat sei stolz auf unser Engagement für einen besseren Kongo. Unsere Stimme und Gefühlen müssen wir immer zum Ausdruck bringen. Dies habe ich immer vorgelebt. Weil das Echo positiv war, kommt auch der Inhalt meiner Intervention beim RFI zu Papier für unsere deutschen Freunde.

Zu Banyamulenge und Rwandesen im Kongo wird auch etwas geschrieben werden. Wenige Kongolesen haben Erfahrungen mit der Hutu-Tutsi Problematik gesammelt. Was ich aber in meiner Kinderheit in Kiriri und Rohero mit den Tutsi und Hutu burundischen Kindern erlebt hatte, bestätigt den harten Kampf der Eliten um die Kontrolle der Macht in diesen Ländern. Aus Angst die Macht in Burundi oder Rwanda zu verlieren, ist die monolithisch organisierte führende Elite in diesen Ländern zu allem bereit und fähig. Unsere Kivu-Provinz ist leider zum Schauplatz dieses fremden Konfliktes geworden. Man kann sich auch fragen, was nun die führende Elite Kongos dagegen macht. Oder wo ist die führende Elite Kivus? Monolithisch organisiert ist die Elite Kongos nicht. Zum zweiten sind Personen an der Macht in Kinshasa, die dazu nicht gehören. Aber es gib viele gravierende Problemen im Kongo, um ständig Zeit über manipulierte Geschichte aus dem Ostkongo zu verliere. Von Kinshasa aus wird man zur Befriedung Kivu beitragen können, nur wenn die richtigen Personen an der Macht sind.

Die überwiegende Mehrheit der Kongolesen streben nach Frieden, Stabilität und Wohlstand im eigenen Land. Und ich gehöre natürlich auch dazu. Nun stellt sich die Frage, wem nutzt die aktuelle Instabilität im Osten Kongos. Die Machenschaften im Kongo werden zu einer größeren Katastrophe führen, wenn man nicht aufpasst.

Die Menschen werden langsam ungeduldig bei uns im Kongo, zumal die politische Farce 1+4 (Anmerkung: 1 = Kabila, 4 = Vizepräsidenten der verschiedenen Gruppen, die z.Z. die Übergangsregierung bilden) ihre Grenzen gezeigt hat. Von der heutigen Übergangsregierung in Kinshasa hat das Volk nicht viel zu erwarten. Das heutige Bild Kongos: Instabilität im Osten, Haßkampagne im Katanga, Revolten und Putschversuche in der Hauptstadt Kinshasa sind deutliche Zeichen, die nie lügen.

Eine Hoffnung besteht trotzdem: Unsere Zeit kommt schon. Die Alternative ist allen bekannt. Man versteht nun, warum meine Partei UDPS rechtzeitig die gefährliche Lage beschrieben hat und internationale Machenschaften gegen das kongolesische Volk laut denunziert hatte. Zu recht hat die UDPS eine Teilnahme an der Scheinübergangsregierung unter Rebellenführern abgelehnt.

Nachdem das Ausland und seine kongolesischen Handlanger ihre Niederlage im Kongo nun einsehen, kommt bald die Stunde unseres Mandela, nämlich Tshisekedi. Die Rufe der kongolesischen Bevölkerung nach ihrem Retter Tshisekdi werden immer lauter. Und wer dies nicht hören will, wird bald bestraft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Gegner des Kongos ihre kriminellen Machenschaften einstellen. So war es mit Südafrika.

Die internationale Gemeinschaft inklusive Deutschland wird bald zur Rolle Tshisekedi im Kongo umdenken. Wir Kongolesen wissen schon lange, was dieser Mann für unsere Zukunft kann.

Im übrigen. Niemand genießt Respekt im Kongo, Rwanda und Burundi wie Dr. Tshisekedi. Ich weiß, wovon ich Rede. Vor kurzem war ich in diesen 3 Ländern und habe mir ein Bild vor Ort machen können. Wenn es jemand gibt, der die Versöhnung Kongos, Rwandas und Burundis in Gang bringen kann, dann ist es diese aussergewöhnliche Persönlichkeit. Erst mit Tshisekedi wird man von einer Versöhnung in der Region der Großen Seen sprechen können. Bei anderen Poli­ti­kern ist es nur pure Heucherlei. Sie predigen Haß und Rache gegen Rwanda, Burundi und Uganda. Solange man gezielt Unruhen im Kongo brauchte, war seine Stunde eben noch nicht da.

Ich denke, dass die endgültige Zeit der Befriedung Kongos näher rückt. Entweder durch freie Wahlen oder Tabula rasa. Die letzten Patronen werden zur Zeit wild geschossen, bevor der wahre Friede zurükkehrt. Es macht Angst für manche, aber wir erleben zur Zeit, was man bei uns nennt, die Strategie der "Bitshikila tuboya" so früher mal Prof. Etienne Mbaya, der mir Erfahrungen aus seinem langen politischen Leben oft gerne gab.

Die Marionetten an der Macht in Kinshasa werden täglich entmystifiziert. Das Rätsel Joseph Kabila hat allen gezeigt, wozu er tauglich ist.  Die 1+4 Kreaturen zeigen ihre wahre Gesischter vor dem kongolesischen Volk und der internationalen Gemeinschaft. Ihre von mir immer angeprangerten politischen Schwächen werden nun offenkundig.

Gott schütze Kongo und seinen berufenen Leader Tshisekedi. Bis bald, Jimmy“

In den letzten Tagen ist endlich noch einmal eine Ausgabe unserer Zeitschrift DER PAZIFIST, die Nr. 192, herausgekommen, mit einiger Verzögerung, weil der neue Drucker an unserem Computer einfach nicht die bisherige Schrifttype hervorbringen wollte. Unglaublich, welche Probleme man manchmal hat. Auf der anderen Seite ist manches mit dem Computer natürlich auch einfacher geworden. Gestern schließlich wurde auch die Nr. 128 des Pressespiegel Kongo fertig und die Empfänger wundern sich vielleicht, daß dieser jeden Monat exakt 50 Seiten hat, so, als ob immer gleich über den Kongo berichtet würde. In Wirklichkeit kommen hier natürlich sehr viel mehr Kongoartikel an und die meiste Arbeit bei der Herstellung des Pressespiegels ist dann das Kürzen, damit der Umfang der monatlichen Ausgabe noch einigermaßen übersichtlich (und bezahlbar) bleibt. Gekürzt wird dann meist ein Artikel zum selben Thema von einer anderen Zeitung, einer anderen Nachrichtenagentur (oft schreiben Reuters, AFP und AP zum selben Thema), die Varianten sind interessant, können aber nicht immer alle in den Pressespiegel aufgenommen werden. Bei der Herstellung des Pressespiegels ist jedesmal neu interessant, wie unterschiedlich im francophonen, anglophonen und deutschen Sprachraum aus dem Kongo berichtet wird. Als zum Beispiel im Mai bekannt wurde, daß in Bunia UNO-Soldaten Sex von Kindern kauften (gegen eine Banane oder so) wurde darüber vor allem im angelsächsischen Bereich ausführlich berichtet – und nur dort. Letztes Jahr im Mai/Juni, als in Bunia die große Krise war, welche zum Eingreifen europäischer Truppen führte, waren ausnahmsweise die Deutschen, welche die ausführlichsten Informationen darüber bekamen, weil die Teilnahme deutscher Soldaten diskutiert wurde. In der Regel berichtet in Deutschland aber nur Dominic Johnson von der taz regelmäßig über den Kongo. Die Probleme der Afrikaberichterstattung hierzulande sollen am nächsten Wochenende auf unserem Seminar „Medien und Afrika – keine guten Nachrichten?“ diskutiert werden, zu dem wir zwei Wissenschaftler gewinnen konnten, die zu diesem Thema gearbeitet haben und etliche Journalisten aus Redaktionen und zwar von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der Frankfurter Neuen Presse, der Westfälischen Rundschau und der Deutschen Welle. Das letztjährige Seminar zu diesem Thema war äußerst spannend. Das hoffen wir natürlich auch für dieses Seminar.

Dienstag, 15. Juni 2004

Heute kamen Nachrichten über die Situation bei unseren Partnergruppen aus dem Kivu herein. Bei einigen Gruppen haben die Soldaten übel gehaust. Viele Frauen einer Gruppe, die von uns Mittel für rotierende Kredite bekommen hatte, wurden geschlagen, zwei starben an den Folgen und viele andere haben all ihr Hab und Gut verloren.

Zwei andere Frauengruppen hatten sich  entschlossen, einen Teil ihrer Mikrokredite in pharmazeutische Produkte zu investieren und ein Gesundheitszentrum eingerichtet. Dies wurde vor einigen Tagen geplündert und zerstört. Beide Organisationen zählen zusammen rund 500 Mitglieder. Wir hatten ihnen Gruppen insgesamt 5.100 Dollar Kredit gegeben. Jetzt stehen die Menschen wieder vor dem Nichts.

Was können wir tun?

Gertrud Kanu und Paul Indongo, welche die sehr informative Kongo-Kinshasa-Website bearbeiten, haben sich entschlossen, in diesen Tagen einen Leserbrief an den „Spiegel“ zu schicken mit folgendem Text:

Leserbrief zum Artikel "Kongo, Afrikas ewiger Krieg", Spiegel Nr. 25 / 14.06.04

Zum ersten Mal hat eine in der Bundesrepublik Deutschland erscheinende Wochenzeitung die Wahrheit über die Machenschaften Ruandas in der Demokratischen Republik Kongo ohne Umschweife geschildert. Machenschaften, die seit Jahren sowohl durch die deutsche Bundesregierung als auch die internationale Gemeinschaft mittels deren massiver Hilfe, die dem Tutsi-Regime in Ruanda zur Verfügung gestellt wird, gefördert werden. Es hat sehr lange gedauert, bis zu dieser Erkenntnis. "90 Prozent des ruandischen Budgets bestehen aus internationaler Entwicklungshilfe". Dadurch finanziert die internationale Gemeinschaft die Morde, Vergewaltigungen und Plünderungen, denen die Demokratische Republik Kongo unaufhörlich ausgesetzt ist. Zu erwarten ist, und dies ist das Ziel von Ruanda, daß nach der Destabilisierung bzw. Schwächung der Demokratischen Republik Kongo Kagame und Co. sich die Kivu-Provinzen (Nord-, Süd-Kivu und Maniema) und ihre Mineralien- und andere Reichtümer ohne internationale Proteste einverleibt.

Gertrud Kanu und Iseewanga Indongo-Imbanda http://www.kongo-kinshasa.de/

Wenn die Informationen stimmen, daß Ruanda bei vielen Machenschaften im Kivu direkt oder indirekt die Finger im Spiel hat, dann wäre allerdings höchste Zeit, daß von den Gebern der Entwicklungshilfe beträchtlicher Druck auf das Regime in Kigali ausgeübt wird – und zwar schon allein aus dem Grund, weil möglicherweise deutsche Entwicklungshilfegelder im ruandischen Budget den Militärhaushalt finanzieren, mit dem der Kongokrieg gespeist wird, bei dem u.a. Projekte zerstört werden, die ebenfalls mit deutschen Entwicklungshilfegeldern unterstützt werden. Mußte es soweit kommen?

Sonntag, 13. Juni 2004

Unsere Freunde in Bukavu schreiben zu dem Problem der Banyamulenge: … es gibt keine Rachegefühle und wir können sowas auch nicht unterstützen. Einige Banyamulenge hatten lokalen Probleme mit anderen Kongolesen. Doch während dieses letzten Krieges wurden viele Banyamulenge von anderen Kongolesen beschützt. General Mbuza Mabe selbst schützte nach eigenen Angaben viele Banyamulenge.

Der Kommandeur Patrick Masunzu (Munyamulenge) in Minembwe, wie einige andere Banyamulenge auch, erklärte, daß der letzte Krieg stellvertretend für die Ruander stattfand und lehnte eine Teilnahme ab.

Wie dem auch sei, in der Politik wird der Begriff „Banyamulenge“ benutzt, um ihre Ziele zu erreichen. Andere Ruander benutzen den Begriff, um in die Demokratische Republik Kongo zu gelangen. Viele Banyamulenge werden aus politischen Gründen von ruandischer Seite und von anderen Banyamulenge zur Geisel genommen. Einige von ihnen wurden getötet, weil sie es ablehnten, gegen andere Kongolesen mißbraucht zu werden.

Zum Beispiel wurden in Uvira viele Banyamulenge gezwungen, Uvira Richtung Bujumbura (Burundi) ohne jede Not zu verlassen.

Die Banyamulenge sind unsere Freunde. Ich arbeite mit vielen von ihnen innerhalb von Twese Hamwe in ihrer Gruppe Inkingi zusammen. Und wir haben eine Menge gemeinsame Aktivitäten mit ihnen durchgeführt. In Minembwe, wo viele von ihnen leben, ist die Armut sehr groß. Letztes Jahr hat die Zivilgesellschaft von Süd-Kivu ihnen eine Unterstützung in Form von Kreide für die Schulen dieser Region gegeben.

Die Banyamulenge benötigen eine Befreiung von Politikern und von Ruanda, die die Begriffe „Minderheit, Völkermord an Banyamulenge usw.“ benutzen, um selbst internationalem Druck zu entgehen.“

Am Freitag ist unser Projektantrag für ein zweites Wiederaufforstungsprojekt, diesmal in Burhinyi, ans BMZ gegangen. Demnächst mehr unter „Projekte“.

Freitag, 11. Juni 2004

Ist das der Kongo? Du wachst morgens auf und irgendein Leutnant hat geputscht. Das war bei Lumumba so und das war heute früh so. Man muß nicht begeistert sein von der Übergangsregierung, die von Rebellenfraktionen mitgetragen wird, deren Führer eigentlich vor ein internationales Strafgericht gehörten. Aber offenbar war das vorläufig die einzige Möglichkeit, den Kongo aus dem Sumpf zu ziehen, in den ihn der alte Kabila mit der Abwürgung der Demokratiebewegung in der Spätphase Mobutus gestoßen und der zu den beiden letzten Kongokriegen geführt hat. Bemerkenswert ist, daß während der gesamten Zeit die winzige Minderheit der Banyamulenge wie graue Eminenzen im Hintergrund soviel am Schicksal des Landes drehen konnten, daß reichlich Unheil angerichtet wurde. Ob eine bessere Integration der einstigen Altflüchtlinge aus Ruanda dies verhindert hätte? Oder ob wirklich die mächtigen Hintermänner in Kigali sitzen?

Heute morgen scheint ein Einzelgänger aus der Präsidentengarde Allmachtsphantasien gehabt zu haben. Wahrscheinlich ein Randproblem, das aber zeigt, wie fragil der Frieden im Kongo noch ist. Letztenendes kommt’s darauf an, ob die demokratischen Kräfte im Kongo während des Übergangs in angemessener Weise an den Institutionen beteiligt werden und ob die einstigen Rebellengruppen bereit sind, sich auf politischer Ebene wirklich zu integrieren und ihre militärischen Kräfte innerhalb der nationalen Armee aufzulösen. Die derzeitige Chance des Kongo liegt darin, daß international weitere Unruhen im Kongo höchst unerwünscht sind. Warum erst heute?

Wir bekommen aus Bukavu inzwischen ganz zuversichtliche Nachrichten von unseren Freunden. „Jetzt kann ich wieder gut arbeiten. Der Krieg ist beendet, seit gestern (Mittwoch) ist der Frieden zurückgekehrt“ schrieb einer unserer Freunde dort gestern.

Nkunda jedoch droht aus dem benachbarten Goma, wieder mit seinen Truppen zurückzukehren, wenn der Banyamulenge-Minderheit in einem speziellen Stadtviertel von Bukavu ein Haar gekrümmt werde. Diese Volksgruppe hat sich nicht beliebter gemacht, aber sie hat auch Mitglieder, die für ein friedliches Zusammenleben wirken. Und diese Kräfte müssen jetzt gestärkt werden.

Dienstag, 8. Juni 2004

Vorhin, d.h. kurz vor 2 Uhr nachmittags kam die erste Nachricht aus Bukavu seit zwei Wochen

„We all are ok;Some "accesoires de compter etait volé " in our DIB office.Now we have some hours to go out. Perhaps things will be ok soon relating the security in Bukavu.“ Alle unsere Leute sind am Leben, nur ist einiges von den Computern im Büro von Dialog International zu Bruch gegangen. Jetzt haben sie ein paar Stunden Zeit für Erledigungen. Vielleicht wird sich die Sicherheit in Bukavu jetzt verbessern….

Montag, 7. Juni 2004

Die Pax-Christi-Kommission „Zentralafrika“ hat heute einen Artikel als Hintergrundbericht zu den Vorgängen im Ostkongo geschrieben, der von KNA veröffentlicht werden sollte. Inzwischen wird dort leider nur eine sehr gekürzte Version akzeptiert, weshalb an dieser Stelle der ursprüngliche Text, der auch Namen nennt, zu lesen sein soll:

Krisenherd Bukavu: Warum werden im Kongo Blauhelmsoldaten mit Steinen beworfen?

Eine Stellungnahme des Netzwerks Afrika-Deutschland und der Kommission „Solidarität mit Zentralafrika“ von pax christi, deutsche Sektion

Der Aufschrei der Empörung ging durch die ganze Demokratische Republik Kongo, als am 2. Juni die Stadt Bukavu einer dubiosen Truppe von aufständischen Rebellen in die Hand fiel. Die Empörung richtete sich vor allem gegen das Nachbarland Ruanda, das seine langjährige Unterstützung für Rebellionen im Osten der DR Kongo im vergangenen Jahr nur widerwillig und unter Druck zurückgestuft hatte. Doch bei den landesweiten Demonstrationen mit bis zu 100.000 Teilnehmern  - wie in der Hauptstadt Kinshasa – richtete sich die Volkswut auch gegen die UN-Blauhelmtruppen.

Um dieses spontane Umschlagen der öffentlichen Meinung über die eigentlich im Land begrüßten Friedensbringer zu verstehen, muss man die postkoloniale Geschichte der DR Kongo ein wenig kennen. Kurz nach der überstürzten Entlassung der ehemaligen belgischen Kolonie in die Unabhängigkeit im Juni 1960 kam eine rasch zusammengestellte UN-Truppe ins Land, um im Zusammenhang mit sezessionistischen Rebellionen zu vermitteln. Faktisch zeigte sich aber, dass die Anwesenheit der Blauhelme nicht nur die Sezession, sondern auch die brutale Ermordung des Nationalhelden Patrice Lumumba begünstigte.

Der politische Märtyrertod hat Lumumba zu einer überall präsenten Ikone des kongolesischen Nationalismus werden lassen und nährt tief sitzende Ressentiments gegen die UN im kollektiven Gedächtnis der Kongolesen, die sich leicht aktivieren lassen.

3500 Soldaten der UN-Truppe MONUC stehen in Bukavu, die eigentlich ins Land gekommen waren, um den vor einem Jahr begonnenen Friedensprozess nach fünf Jahren Krieg zu unterstützen. Am 26.5. brachen Kämpfe zwischen den von „General“ Felix Mbudja Mabe angeführten regulären Streitkräften und wenigen hundert meuternden Soldaten unter Führung von „Colonel“ Jules Mutebutsi aus. Mutebutsi, ehemaligen Offizier der RCD-Goma, der die Integration in die neuen Nationalarmee verweigert hat, tritt als Verteidiger der Volksgruppe der aus Rwanda eingewanderten Banyamulenge auf.

Am 28. Mai hatte die MONUC einen Waffenstillstand mit den Konfliktparteien vermittelt. „General“ Mabe sagte zu, seine Positionen unter Kontrolle der MONUC zu stellen. „Colonel“ Mutebutsi willigte zunächst in die geforderte freiwillige Entwaffnung ein.

Mit Ablauf des entsprechenden Ultimatums am folgenden Tag erhielt Mutebutsi Verstärkung durch „General“ Laurent Nkunda. In Nkunda zeigt sich die typische nationalitätenpolitisch komplexe Situation, die den Osten der DR Kongo in der Gegenwart in Unruhe hält: Nkunda stammt aus dem kongolesischen Rutchuru, seine Familie ist aber ruandischer Herkunft. Mit seiner Tutsi-Herkunft trat er der von Uganda aus operierenden Rebellentruppe RPF  bei, als sie von 1990-1994 einen Krieg gegen das Hutu-dominierte Habyarimana-Regime in Ruanda führte. Nach dem Genozid an den im Lande verbliebenen Tutsi übernahm die RPF im Juli 1994 die Macht in Ruanda.

Im zweiten Kongo-Krieg im Mai 2001 in Kisangani soll Nkunda seitens des ruandanahen RCD-Goma für Massaker verantwortlich sein. Unklar ist, wieweit Nkunda derzeit von Milizen unterstützt wird, die dem Gouverneur von Nord-Kivu Serufuli nahe stehen, außerdem noch von Milizen von Xavier Cirimbanya, einem ehemaligen Gouverneur der Provinz Süd-Kivu.

Die dramatische Entwicklung um die politisch und militärisch bedeutendste Stadt im Süd-Kivu verhinderte den geplanten Besuch des kongolesischen Vizepräsidenten Azarias Ruberwa. Die überraschende Einnahme Bukavus durch eine kleine und schlecht ausgerüstete Rebellentruppe, die im Namen der Volksgruppe der Banyamulenge agieren, wird das ohnehin angespannte Verhältnis der Mehrheit zu den Minderheiten im Osten der DR Kongo weiter verschärfen. Manche Beobachter sind überzeugt, dass gerade dieser Effekt und die damit verbundene Störung des Friedensprozesses in der DR Kongo gerade zum jetzigen Zeitpunkt gewollt ist. Unruhen in Bukavu und insbesondere die Bedrohung der Banyamulenge, können den Einmarsch ruandischer Truppen legitimieren, die sich schon von 1996-2003 im Osten des Kongo festgesetzt hatten. Kein Wunder, dass sich in der Bevölkerung der Eindruck festsetzt, ein weiteres Mal von der MONUC im Stich gelassen zu werden.

Beobachter weisen darauf hin, dass die Einnahme von Bukavu in kürzester Zeit ohne Unterstützung aus Ruanda wohl nicht möglich gewesen wäre. Der ruandische Staatsführer  Paul Kagame hatte vor kurzem tatsächlich die Rückkehr seiner Armee in die DR Kongo angekündigt, falls die MONUC und die Regierung in Kinshasa nicht effektiv die Hutu-Rebellen (Interahamwe) auf ihrem Territorium unschädlich machen. Die sich verdichtenden Meldungen über bereits jetzt anwesende ruandische Soldaten auf kongolesischem Territorium wird vom ruandischen Außenminister Charles Muligande heftig dementiert.

Die Rebellenführer Nkunda und Mutebutsi haben prompt bekannt gegeben, Ziel ihrer Operation sei es, die so genannten Banyamulenge (ruandische Minderheit in der DR Kongo) zu schützen. In der Tat hatte in jüngster Zeit die offene Feindseligkeit vieler Menschen im Kivu gegen die Banyamulenge neue Höhepunkte erreicht. Aus Bukavu wurden sogar ethnisch motivierte Morde von Banyamulenge gemeldet.

Im Hintergrund scheint aber die Einführung des von der Übergangsregierung in Kinshasa ernannten neuen Gouverneurs und Vize-Gouverneurs – der selbst der genannten Volksgruppe der Banyamulenge zugehört - in Bukavu das ausschlaggebende Motiv für die Meuterei zu sein. In seiner Deklaration vom 2. Juni dementiert Enock Ruberangabo Sebineza - Präsident einer Vereinigung von Shikama-Banyamulenge und Abgeordneter im Nationalparlament - dieses Motiv der beiden Führer, die er zugleich als Kriminelle bezeichnet. Auch Azarias Ruberwa - Vize-Präsident der Übergangsregierung und selbst ebenfalls Vertreter der Banyamulenge- und seine Partei RCD-Goma haben diese Rebellion scharf verurteilt.

Die Regierung in der fernen Hauptstadt Kinshasa erweist sich wieder einmal der vielschichtigen Problematik im Osten des Landes wenig gewappnet. Sie drängt auf militärische Maßnahmen, ohne über eine einsatzfähige Armee im Osten des Kongo zu verfügen. Der Erwartungsdruck auf die MONUC ist extrem hoch: Von Seiten der Bevölkerung werden hoheitliche Aufgaben wie der Grenzschutz und die Niederschlagung von Meutereien den Blauhelmtruppen angetragen. Internationale Organisationen kritisieren die schleppend anlaufenden Entmilitarisierungsprogramme unter dem Dach der MONUC. Die Geberländer wundern sich, dass die kostspielige MONUC am Ort des Geschehens untätig zu bleiben scheint, während sich die Gefahr eines neuen Krieges zwischen Ruanda und er DR Kongo abzeichnet.

Samstag, 5. Juni 2004

Jetzt bekam ich einen Schreck - so lange keine Eintragungen mehr in das Tagebuch! Als ob nichts geschehen wäre in den letzten vier, fünf Wochen…. Im Gegenteil. Wir hatten wirklich eine Fülle an Terminen, Ereignissen, Aktivitäten und hier waren zwischendurch reichlich administrative Aufgaben zu erledigen. Dann abends noch Tagebuch schreiben? – Du fällst eher todmüde ins Bett…

Aber was ist gelaufen?

Beginnen wir mit den aktuellen Nachrichten: Diese sind ganz schlecht, die aus Bukavu kommen. Irgendein Banyamulenge-General hat mit 1000 Soldaten Bukavu besetzt und reichlich Unheil angerichtet. Seit über einer Woche haben wir keine Verbindung zu unseren Partnern und können nur hoffen, daß sie sich in Sicherheit gebracht haben. Auch unser Freund in Uvira ist diese Woche nach Bujumbura (Burundi) geflüchtet, wollte jedoch gestern nachmittag zurückkehren, weil auch in Uvira gegen die MONUC demonstriert werden sollte, wie überall im Land.

Reinhard Voss, Generalsekretär der deutschen Pax Christi, kann überhaupt nicht verstehen, wieso die Kongolesen in diesen Tagen gegen die UNO-Truppen demonstrieren.

Dialog International hatte gestern abend in Düsseldorf in der Volkshochschule eine Veranstaltung über Lumumba und wir haben uns u.a. einen Film angeschaut, in dem deutlich wurde, wie passiv seinerzeit die UNO sich Lumumba gegenüber verhalten hat, auch als er schon mit seinem Leben bedroht war. Wenn man sich dann erinnert, daß die UNO auch 1994 in Ruanda einfach zugeschaut hat, als die Massaker stattfanden und jetzt in Bukavu die Kongolesen wieder das gleiche erleben, so ist kein Wunder, daß Kongolesen zuerst gegen die Blauhelme demonstrieren. Blauhelme, die, das weiß man, gute Kunden von Prostituierten sind und viel Geld in Bars bringen und die vor allem Zuschauer sind und bleiben, wenn gravierende Dinge geschehen. Wir können hier nicht beurteilen, ob sie im Fall von Bukavu eine Alternative hatten. Fakt ist jedenfalls, daß die kongolesische Bevölkerung mit ihren Demonstrationen gegen die UNO ihren kollektiven Finger auf einen für den Kongo höchst wunden Punkt legen. Und im Grunde kann man wieder einmal nur mit Bewunderung auf dieses geduldige und kluge Volk schauen.

Wie auch immer, als unser Freund hörte, daß in Uvira demonstriert werden sollte, hielt er es nicht mehr in Bujumbura aus und kehrte zurück in seine Heimatstadt.

Wir von Dialog International haben in den letzten Wochen reichlich zu tun gehabt. Im Umfeld der Bonner Konferenz RENEWABLES (erneuerbare Energien) konnten wir im Bonner Stadthaus, im Haus der Evang. Kirche und bei einer Jugendkonferenz der Initiative YES2004 unsere Ausstellung über „Solarenergie – Chance für Afrika“ aufbauen. Die Vernissage im Stadthaus am 21.5. war ein guter Erfolg. Unser Vorsitzender Muepu Muamba und der NRW-Landtagsabgeord­nete Bernhard von Grünberg, der eigentlich aus der Mieterberatung kommt, aber irgendwie über Kontakte in Südafrika die Vorteile der Solarenergie kennengelernt hatte, eröffneten die Ausstellung. Anschließend hatten wir eine lebhafte Podiumsdiskussion unter Leitung des NRW-Eine-Welt-Beauftragten Dr.Thomas Fues, in der vor allem afrikanische Ansichten dominierten. und nicht zuletzt trat der gambische Musiker Aziz mit traditioneller Musik auf einer Art afrikanischer Harfe auf, die schlicht himmlisch klang. Aziz wußte das Publikum mit seinen afrikanischen Klängen zu verzaubern! Ergebnis der Podiumsdiskussion war, daß den rund 60 oder 70 Teilnehmern in kurzer Zeit ein Fazit afrikanischer Chancen und Hindernisse für Solarenergie vermittelt werden konnte. Und auch das Publikum war sehr gemischt mit fast der  Hälfte Afrikaner aus ganz unterschiedlichen Ländern. Ein insgesamt erfreulicher Abend, der als Auftakt unseres neuen Programms „Schulen entdecken Solarenergie – für eine neue Partnerschaft mit Afrika“ Akzente setzte. Die eigentliche Ausstellung, die insbesondere von Gerhard Pauli gestaltet wurde, gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der Solarenergie und ist als Einstieg gedacht. Vielleicht wird sie in den nächsten eineinhalb Jahren von Projektgruppen in NRW-Schulen entscheidend erweitert. Sie ist aber jetzt schon mit ihren 19 Tafeln ausleihbar.

Drei Tage später eröffneten wir in Düsseldorf die Ausstellung KIN PRESSION II, die Photos aus Kinshasa zeigt, d.h. eindrückliche Photos zu Transportproblemen in der Millionenstadt. An dem Abend trat der deutsch-kongolesische Chor ESENGO auf, mit kongolesischen Liedern, die viel Beifall fanden. Auch hier sprach unser Vorsitzender Muepu Muamba und versuchte Verständnis für die Situation in Kinshasa zu wecken, die so ganz verschieden ist von mitteleuropäischen Großstädten.

Wenige Tage später war unser Komitee für das Schul-Solarprojekt beim Solarinstitut in Jülich zu Gast, wo wir über eine Zusammenarbeit berieten und die dortigen Solaranlagen besichtigen konnten. Hier ist wesentlich, daß ein wissenschaftliches Institut, welches seit über zwei Jahrzehnten an dem Thema arbeitet, natürlich ganz andere Möglichkeiten hat als eine Nichtregierungsinstitution wie Dialog International. Und trotzdem kann eine Zusammenarbeit für beide Seiten hilfreich sein, weil wir durch unsere letztjährige Konferenz „Solarenergie für Afrika“ einige Zeichen gesetzt hatten, die nicht zu übersehen sind und Fragen aufwarfen, an denen weitergearbeitet werden muß. Wir sind natürlich glücklich, mit dem Solarinstitut in Jülich Verbündete gefunden zu haben, inbesondere bei den Professoren Schwarzer und Faber und bei der Beauftragten für die Lehrerfortbildung Frau Maria Breuer.

In der Zwischenzeit hat Joel, unser Mitarbeiter für dieses Programm, seine Freizeit für Jugendliche in der Eifel vorbereitet mit dem Titel „Afrika – mitten in den Ardennen“ Im Sommer sollen dort Solaranlagen zusammengebaut werden und einige Übungen erfolgen, die an afrikanische Lebensweisen erinnern. Wir haben Mitte Mai mit Joels Ehefrau, die erst seit einem halben Jahr in Deutschland lebt, die Tagungsstätten besichtigt und Leonie, die Ehefrau, hat die ausgewählten Tagungsorte als geeignet für die Imitation afrikanischer Lebensweise identifiziert. Somit ist klar, daß sie für die Vorhaben geeignet sind. Inzwischen hat auch Mathias Weber, ein junger Veteran für die Solarenerige, der seine Zeit zwischen Deutschland und Südafrika aufteilt, zugesagt, daß er bei diesen Workshops mitmachen will. Wir warten nun mit Spannung auf die Jugendlichen, die ein paar Ferientage geben wollen, um bei diesem Programm mitzumachen.

Was ist sonst noch zu sagen? Gestern abend war unsere Lumumba-Veranstaltung in Düsseldorf. Leider konnte Muepu aus Gesundheitsgründen nicht kommen, was wir alle sehr bedauert haben. David Kapuya ist eingesprungen und hat uns im wahrsten Sinne des Wortes den Abend gerettet. Wir haben uns kurz den Film über Lumumba aus der Fernsehserie „Politische Morde“ angeschaut und anschließend hat David einige Erläuterungen aus kongolesischer Sicht zu dem Film gegeben. Die Diskussion mit den ungefähr 20 Besuchern der VHS-Veranstaltung war außerordentlich lebhaft, zumal vor allem die Generation vertreten war, welche die 60er Jahre noch sehr bewußt erlebt hat und dadurch von gewissen Medienberichterstattungen geprägt war. Hier war außerordentlich wichtig, daß die anwesenden Kongolesen ihre authentische Sicht der Ereignisse vermitteln konnten. Ich wünschte mir, wir könnten den Film und ähnliche Diskussionen überall in Deutschland durchführen. Leider sind dem sehr enge finanzielle Grenzen gesetzt.

Doch eins ist klar: Unser Vereinszweck, das Gespräch zwischen Deutschen und Kongolesen, ist gestern abend in der Düsseldorfer Volkshochschule in einer außerordentlich geglückten Veranstaltung erreicht worden. Besonders eindrücklich war der Beitrag eines kongolesischen Besuchers, der als Flüchtling anerkannt ist und sehr geschickt an einer geeigneten Stelle äußerte, daß, wenn Lumumba und seine demokratische Bewegung sich hätten entfalten können, heute keinerlei Flüchtlinge aus dem Kongo in Deutschland oder Europa ankommen würden. Im Grunde würden keine Kongolesen auf die Idee kommen, nach Europa zu flüchten, doch die extreme Diktatur unter Mobutu und später unter Kabila lasse manchen keine andere Wahl.

Jedenfalls klang sein Zeugnis überaus überzeugend!

Hinsichtlich unserer Projekte im Kongo wurde in der Zwischenzeit vom BMZ (Entwicklungshilfeministerium)entschieden, daß das Kwango-Projekt zur Ausbildung von Dorfhelfern mit einigen Änderungen akzeptiert werden könnte. Somit müssen jetzt diese Änderungen eingearbeitet werden, die bedeuten, daß ein „abgespecktes“ Projekt herauskommt, das allerdings auch zeitlich verkürzt sein wird und sozusagen für die Region Pilotprojekt ist. Sollte sich herausstellen, daß das Projekt bei der Bevölkerng „ankommt“, hat ein umfangreicheres Nachfolgeprojekt gute Chancen.

Da in der Kwango-Region südlich von Kinshasa bisher noch nie ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit realisiert worden ist, betreten wir mit dem Dorfhelferprojekt in jeder Beziehung Neuland und müssen froh sein, wenn wir beginnen können. Natürlich freuen wir uns darüber, daß das BMZ die Förderung der alternativen Medizin grundsätzlich befürwortet.

Das zweite Projekt, welches inzwischen zur Entscheidung vorliegt, ist jenes der Wiederaufforstung in Burhinyi, dort, wo inzwischen kein Baum mehr steht. Hier ist inzwischen die Prüfphase abgeschlossen und ein überarbeiteter Entwurf wird in Kürze dem BMZ  vorgelegt. Burhinyi liegt im Südkivu und ist dringend auf eine Wiederaufforstung angewiesen. Wir hoffen, im September mit dem Projekt offiziell beginnen zu können.

Eine gute Nachricht kam letzte Woche von der Stiftung Umverteilen. Diese Stiftung wurde vor Jahren von dem Erben eines Industrieunternehmens in Berlin eingerichtet, der sein Erbe in die Stiftung eingebracht hatte zugunsten von Dritte-Welt-Projekten und der heute als normaler Angestellter in dieser Stiftung mitarbeitet. Die Stiftung Umverteilen ist eine der wenigen Adressen in Deutschland, die Projekte im Süden, also echte Dritt-Welt-Projekte fördern können. Und sie haben kürzlich entschieden, daß sie den Frauen von Ciherano helfen wollen. Über 260 Frauen in Ciherano/Süd-Kivu, Kongo, wurden letztes Jahr im Kongokrieg in einer solch brutalen Weise geschändet, daß noch heute dies im Kivu nicht vergessen wurde. Diesen Frauen möchten wir helfen, durch rotierende Kredite, medizinische Versorgung, durch Traumaaarbeit und dank der Stiftung Umverteilen ist dies jetzt in erreichbare Nähe gerückt, weil wir den Eigenanteil zugesagt bekommen haben, der für ein BMZ-Projekt nötig ist. Jetzt muß nur noch beim BMZ ein Zuschuß beantragt werden und schon kann das Projekt losgehen – aber dies wird sicherlich noch 8-10 Wochen dauern. Immerhin – diese Frauen dürfen hoffen, daß wir ihnen helfen können.

Das sind die guten Nachrichten. Die schlechten Nachrichten bestehen darin, daß wir eine Fülle von weiteren Anträgen vorliegen haben von kongolesischen Nichtregierungsorganisationen, denen wir zur Zeit nicht helfen können. Besonders schmerzlich ist darunter das Projekt von Dr.Ndarabu in Kinshasa, der in den vergangenn Jahren unter den Schülern von Kinshasa gesundheitliche Aufklärung betrieben hat und dies gerne in diesem Jahr fortgesetzt hätte. Im letzten Jahr hatten wir ihm helfen können, doch für dieses Jahr haben wir noch keine Organisation gefunden, die bereit ist, diese gesundheitliche Aufklärung zu finanzieren.

Die einzige Hoffnung besteht darin, daß wir im nächsten Jahr vielleicht ein BMZ-Projekt aus der Initiative machen können.

Und noch eine gute Nachricht ist zu vermelden: Doris Brink, unser Mitglied aus Mechernich hat im Raum Düren (NRW) über 50 Nähmaschinen gesammelt, die wir hoffentlich in absehbarer Zeit nach Kinshasa per Container schicken können.

Ich sollte auch nicht vergessen, der Aktion Selbstbesteuerung in Stuttgart zu danken für eine Unterstützung zur Durchführung eines Seminars, bei dem die Bauern von Luhwindja lernen sollen, wie eine ökologisch sinnvolle Schädlingsbekämpfung funktioniert.. Leider wird das Geld nur für die theoretische Grundausbildung reichen, nicht jedoch für praktische Übungen.

Während ich dies schreibe, höre ich wundervolle kongolesische Musik und möchte die Gelegenheit nutzen, auf eine Kongo-Veröffentlichung des Evangelischen Missionswerks hinzuweisen (in der Paul Indongo u.a. die kongolesische Musikszene vorstellt). In der Reihe Länderheft Kongo erschien kürzlich die Nr.55 von „Weltmission heute“ mit zahlreichen interessanten Beiträgen zum Kongo, redigiert von Bernd Ludermann, der sich als freier Journalist für den Kongo interessiert. Die Broschüre ist für 4,-- Euro beim Evang.Missionswerk 20537 Hamburg, Normannenweg 17-21 zu beziehen oder über die Webadresse des EMW, www.emw-d.de .

Sonntag, 2. Mai 2004

Wie angekündigt, möchte ich einmal etwas ausführlicher einen Zwischenbericht aus Luhwindja an dieser Stelle einfügen, der eigentlich keinen Kommentar braucht:

Nach der Beendigung des Jahres 2003 haben wir im Lauf der ersten drei Monate 2004 folgende Tätigkeiten durchgeführt:

Fortsetzung der Pflanzung bis zum Ende des Monats Februar. Es war vorgesehen, 135.000 Pflanzen zu setzen. Wir haben alles in allem insgesamt 300.000 Pflänzchen gesetzt und damit mehr oder weniger 700 ha bepflanzt, 70 % mit Waldbäumen und 30 % mit Sträuchern zur Bodenbefestigung gegen die Erosion.

Tausend von Pflänzchen sind an die Bevölkerung in den neun Gruppen der Gemeinde verteilt worden. Die Menge der Pflänzchen, die ein Bauer bekommen hat, hing von folgenden Faktoren ab:

* von der Animierung und Sensibilisierung der Person, welche sie erbeten hat.

* von der Transportmöglichkeit der Pflänzchen

* von der kartographischen Identifizierung der für die Aufforstung vorgesehenen Felder oder des Orts, wo er die Bäume einsetzen möchte um die Erosion zu bekämpfen.

* von der Entfernung der Baumschule von der aufzuforstenden Gegend.

Auswertung der Aktivitäten der 2. Kampagne 2003

für jedes Entwicklungsprojekt ist Durchführung, Folgetätigkeit und Auswertung in jeder Phase des Vorgehens, entsprechend dem vorgesehenen Programm sehr wichtig für die Zukunft des Projekts. Diese Etappe ermöglicht nicht nur, die Durchführung mit den Plänen zu vergleichen, sondern auch:

* alle vorkommenden Schwierigkeiten, Hindernisse oder Engpässe, die während des Projekts auftreten, zu überwinden.

* Wege und Mittel oder nachhaltige und rationelle Strategien zu finden, um diese Schwierigkeiten anzugehen oder zu umgehen.

Bei dieser Auswertung wurde festgestellt, daß wir über die vorgesehenen 135.000 Pflänzchen hinaus mehr als 300.000 Pflänzchen geliefert haben, weil die Nachfrage bei der Bevölkerung groß war und die Pflänzchen in den Baumschulen sich gut entwickelt hatten. Die Bodenverbesserung durch Kompost, Jäten und Gießen war gewährleistet.

Indessen wurden auch einige negative Aspekte beobachtet:

* Einige Pflänzchen verwelkten (vertrockneten)

* Die Baumschulgärtner waren überlastet, denn sie kümmerten sich um die Saatbeete, mußten aber auch jäten und die alten Pflanzungen von der ADMR neu bepflanzen.

* Einige Saisonarbeiter mußten eingestellt und bezahlt werden, um die Baumschulgärtner zu entlasten und das war im Budget nicht vorgesehen.

* Ein Hagelwetter (15.Okt.2003) hat nicht nur einige Pflänzchen in den Baumschulen beschädigt, sondern auch mehrere Felder der Bevölkerung und hat auch das Wachstum mehrerer Bäume, die 2002 gepflanzt wurden, verzögert.

* Obwohl die Erosion von der Bevölkerung als Gefahr wahrgenommen wird, da viele Felder stark abschüssig sind, haben die Leute doch eine Abneigung gegen die Aufforstung und die Bekämpfung der Erosion. Man muß sie für das Jahr 2004 sehr zum Kampf gegen die Erosion aufmuntern, sollte auch mehr Demonstrationsfelder anlegen, um die Mehrheit der Bevölkerung dazu zu bringen, die Erosion der Felder zu bekämpfen.

* Die Bevölkerung hat die Praxis der antierosiven Hecken, das Umpflügen von Beeten, das Ausheben von Gräben, die Anwendung von bodendeckenden Pflanzen und die Ausnutzung von Höhenlinien begriffen, aber es stellt sich auch das Problem, daß man die Erosion in Feldern, wo noch wachsende Pflanzen stehen, nicht durch Gräben bekämpfen kann.

Die Bekämpfung der Zecken und Stärkung der Komitees der Viehzüchter

Zur Vorbeugung gegen die Buschfeuer wird die Aufklärung der Bevölkerung, die Pulverisieerung von Heilpflanzen gegen Zecken und die Impfung von Kühen gegen einige Krankheiten fortgesetzt durch den Tierarzt, der zu diesem Zweck eingesetzt worden ist. Dieser Dienst, der sehr erwünscht ist, hat die Viehzüchter ermutigt und stärkt die Komitees. Jetzt, obwohl die Bedürfnisse weiterhin groß sind und auch ausgedrückt werden, denken die Viehzüchter an, eine Zusatznahrung für ihre Tiere und ermutigen die ADMR, eine landwirtschaftliche Kooperative zu gründen, um verbesserte Rassen von Großvieh einzuführen.

Vorbereitung der Bevölkerung, um nach 2005 das Projekt selbst zu übernehmen

In Anbetracht dessen, daß das Personal der ADMR schon sehr viel zu tun hat, nämlich die Pflege der Baumschulen, den Holzanbau (2002, 2003) und die Aufstellung einer Überwachungsmannschaft, muß die Bevölkerung auf all diese Aufgaben vorbereitet werden und auch darauf, ihre eigenen Felder zu pflegen. Zu diesem Zweck hat man im Lauf dieses Trimesters die Bevölkerung animiert, die Kontaktgruppen zu vermehren. Man sollte dieses Jahr 15 Kontaktgurppen haben und mehr als 30 Kontaktgruppen im Jahr 2005.

Da das Projekt diese Arbeit nicht bezahlen kann, hat der Experte Innocent Balagizi das Projekt „CHEVRES“ (Ziegen) vorgeschlagen, die man als rotierenden Mikrokredit an Bauern geben kann, die animieren und sich selbst ausbilden können, um der Bevölkerung zu helfen, selbst diese Aufgaben zu erfüllen, wenn die Frist zur Durchführung des Projekts abgelaufen ist.

Für interessierte Mitglieder der Kontaktgruppen, die nicht lesen können, braucht man Alphabetisierungskurse, so müssen die Frauenzentren versträrkt werden, damit diese Bauern lesen und schreiben lernen können.

Aktivitäten für diese neue Kampagne 2004-04-30

* Die Planungen der Gelände für die Baumschulen sind umgestellt worden, um näher an die Stellen heranzukommen, die dieses Jahr aufgeforstet werden sollen, um auf diese Weise große Entfernungen zu vermeiden.

Die Baumschulen von Cibanda II, von Kabolole, Iduwe, Burhembo und Mulama haben sich nicht geändert.

* Neubearbeitung und Instandhaltung der ehemaligen Gelände

* Vorbereitung der Terrassen

* Vorbereitung der Kompostanlagen

* Test und Kauf von Samen unter Beachtung der Beliebtheit bei der Bevölkerung und der Priorität bei der Bekämpfung der Erosion der Felder

* Versammlung des leitenden Komitees

* Abhaltung der Generalversammlung der Mitglieder der ADMR

* Andauernde Animierung und Sensibilisierung der Bevölkerungsschichten

* Wöchentliche Versammlungen der Geländemannschaft und monatliche Vereinigungen der Koordination

* Schutz des Haupt-Abzugskanals des Sumpfgeländes Namunana durch Tripsacum und andere Pflanzen, aber auch die Notwendigkeit, Dämme zur Ableitung zu bauen, erweist sich als wichtig, wenn man das aktuelle Niveau des Betts des Flusses Namunana beachtet.

Auswirkung des Projekts auf das Milieu

* Entlang der Straße sind die 2002 gepflanzten Bäume – einige sind schon mehr als 1 Meter hoch – gut gewachsen und ergeben schon ein attraktives Landschaftsbild.

* Die Bevölkerung hat die Wichtigkeit der Wiederaufforstung begriffen und wünscht viele weitere Bäume

* Die gepflanzten Arten sind geeignet, den Boden zu verbessern.

* Durch die Animierung und Sensibilisierung hat das Phänomen Buschfeuer abgenommen und während dieser Saison wurde im größtes Teil von Luhwindja nichts derartiges beobachtet.

* die Nachbarbevölkerung von Kaziba und Burhinyi bitten auch um Pflänzchen oder um die Möglichkeit, dasselbe Projekt in Burhinyi, Kaziba und Ngweshe durchführen zu können.

* Ein Baumschulleiter bei der Organisation IPE  von der Nachbarkollektive von Kaziba wird z.Z. bei der ADMR in Luhwindja ausgebildet, denn diese Organisation engagiert sich für den Umweltschutz.

* Da die Nachfrage nach Obstbäumen steigt, verfügt die ADMR dieses Jahr auch über einige Obstbaumpflänzchen, angesichts der Bedeutung und Notwendigkeit dieses Bedürfnisses.

(Ü: Heidi Schimpf)